Eine Geschichte von Anne S. Obscura

Sängerin, Composition, Künstlerin, Autorin, Dichterin von Songtexten, Erzählungen, Gedichten u.a.
über den Künstlernamen „Anne S. Obscura“ – und die

„Königin der Dunkelheit“…


Die „Königin der Dunkelheit“ ist keine Königin, die Dunkelheit verbreitet, sondern eine Königin, die Dunkelheit gesehen hat, jedoch mit grosser Willenskraft für die Verbreitung von Frieden, Harmonie, Licht und Sanftmütigkeit sowie den bewussten und trotz allem Optimusmus kritischen Umgang im und mit dem Leben und dem Tod steht.


Dies waren die Worte meiner Oma: „Man darf sich ausruhen, man muss Trauer verarbeiten, und dann muss man sich aufraffen, man muss einfach aufstehen und weitergehen.“ Sie hat sehr viel Erfahrung mit dem Umgang mit Traumata, da sie ihre Jugend in Bayern in den 40er Jahren des 20. JH verbracht hat, von wo aus sie in den Norden ging, und diese Generation war eine vom Krieg traumatisierte Generation. Sie hat mir stundenlang von den Geschehnissen in dieser Zeit und der Zeit danach erzählt, wie grausam sie den Diktator erlebt habe. Ich habe einiges davon aufgenommen. Sie sagte, dass sie nie Krieg haben wollte und sie auf das Versprechen vertraut, nie wieder Krieg haben zu müssen.“


Ihr Tipp könnte jedem Menschen aus einer Krise helfen: „Jeder Tag ist neu. Jeden Tag freue dich über 3 kleine Momente, die dich zum Lächeln gebracht haben oder die schön waren, und schreibe sie dir auf!“

Sie erklärte hin und wieder, dass ein Teil meiner Familie bereits vor dem 1. Weltkrieg auswanderte, ein Teil flüchtete, dass ein grosser Teil meiner Familie enteignet wurde, es wurden mehrere meiner Grosseltern und Urgrosseltern ersatzlos ihrer Villen und Höfe enteignet – die Familie meiner anderen Oma wurde sogar noch Ende der 1970er/ Anfang der 1980er Jahre in der damaligen DDR enteignet. Meine Münchener Oma erzählte oft, dass sie sich einsam fühlte, besonders nachdem mein Opa gestorben ist, der ihr Retter aus der Einsamkeit gewesen ist.  


[…] Mein Opa war ihr Retter und Ritter von Wachwitz, hochgebildet von der alten Kreuzschule. Er war wohl der einzige Nachkomme oder der einzige Hinterbliebene einer königlichen Adelsfamilie, die durch die Folgen des Krieges bis heute ohne Entschädigung enteignet wurde, über Angehörige wurde viel nicht erzählt, und er wuchs mit seinen Eltern und einigen Bediensteten sehr streng erzogen auf. Sie zeigten mir alte, teils verknitterte Fotos davon. „Es wollte keiner mehr König sein, die Zeiten änderten sich. Du bist eine Prinzessin, aber erzähle niemandem davon“, wurde mir gesagt, es sei zu belastend, ich bräuchte nichts mehr damit zu tun haben, es gebe zu viel Neid, ob gerechtfertigt oder nicht, spiele dabei keine Rolle. „Rede nicht davon. Erzähle niemandem davon.“ Ich hörte ihren Schmerz in der Stimme zittern. Ich versprach ihnen, zu schweigen und schwieg darüber bis zu ihrem Tod, mehr als 25 Jahre lang. Nicht einmal als selbstgeschriebenes Märchen verfasst, nicht einmal in meinen Gedichten, Songtexten oder meiner Literatur kam das Thema vor. Ich war verschwiegen wie ein Grab.

Eine Zeit lang war mein Opa unverheiratet, bis er meine Oma heiratete. Er verliess seine alte Heimat Sachsen zwar und lebte in Bietigheim, und traf später beim Ausritt in der Umgebung des Teutoburger Waldes auf meine Oma, sie verliebten sich, zogen zusammen und retteten einander gegenseitig aus der Einsamkeit. Er vergass seine Kindheit jedoch nie, und alle gemeinsam besuchten wir jahrzehnte später mit ihm das alte Schloss und Hofgelände der Villa, in der er als Kind gelebt hatte, eine riesige Fabrik, die er betrieben hätte, wäre seine Familie nicht enteignet worden, und eine Villa, die er vermietet hatte. Lange blieben wir nicht dort. Die Bilder aus den alten Fotoalben zeigten, wie beeindruckend oder wunderschön die Gebäude früher einmal gewesen sein mussten – und wie vernachlässigt sie nun aussahen.

Einer seiner zukünftigen Enkel durfte ihn höchstpersönlich auf einer Burg zum Ritter schlagen. Den Mann, der ihn zum Ritter geschlagen hat, heiratete ich 2014, nachdem er mich 2010 aus dem Tiefschlaf wachküsste. Ob eine Dornenhecke, durch die er sich kämpfen musste, um das Schloss gewachsen war, aus dem er mich herauslockte, weiß ich allerdings nicht.

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Maerchenfigur Koenigin Anne S.

Dornröschen war früher zwar ein Lieblingsmärchen von mir – hat aber mit meiner Geschichte nichts zu tun… obwohl… „vielleicht bin ich ja Dornröschen –  und wir leben glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende.“


Die Jazzikone Sängerin Sheila Jordan, die nur ein paar Jahre jünger als meine Oma war, und auf die ich zufällig bei einem Workshop für meine musikalische Gesangsausbildung traf, regte mich zum Gespräch an. Sie sagte 2010 zu mir nach dem Workshop „You need love. Friendship. Just make music together with other Jazzmusicians, your own band. Just sing. We all love you… And send your music to me then.“


Wegen dieser Nähe zum Schweigen – wie ein Grab – und zum Tod in der Vergangenheit – die ich längst mehr als überwunden habe – und der Hoffnung und Liebe zum Leben, die mir damals widerfahren ist, und mich in meiner Erfahrung weitergebracht hat, konnte ich mich in einem Musik-/ Kunstprojekt in eine Figur gut hineinversetzen, die ich Anne S. Obscura, Königin der Dunkelheit nannte 😉 – ich habe dann zu meinem Künstlernamen für meine eigenen Songs den Schmetterling als Zeichen der Auferstehung und Selbstentfaltung hinzugenommen und den Namen Königin abgelegt: Anne 🦋 S., mache Solo unplugged Musik und im Duo oder zusammen mit anderen Musikern als Band.


Doch… was ist der Prinzessin Anne S. zugestossen, obwohl die Kriege schon längst vorbei waren?

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